Restaurierung

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Re|stau|rie|rung 〈[-staʊ-] f. 20das Restaurieren (von Kunstwerken)
Die Buchstabenfolge re|st... kann in Fremdwörtern auch res|t... getrennt werden. Davon ausgenommen sind Zusammensetzungen, in denen die fremdsprachigen bzw. sprachhistorischen Bestandteile deutlich als solche erkennbar sind, z. B. -strukturieren, -strukturierung.

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Re|s|tau|rie|rung, die; -, -en:
das Restaurieren; das Restauriertwerden.

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Restaurierung,
 
Wiederherstellungsmaßnahmen an beschädigtem oder verfallenem Kunst- und Kulturgut mit dem Ziel, die ästhetischen, künstlerischen und historischen Werte zu bewahren und lesbar zu machen. R. erfolgt auf der Basis der kritischen Interpretation des Kunstwerkes und endet dort, wo die Hypothese beginnt (Charta von Venedig, 1964).
 
R. erfolgt in der Regel durch farbliche und plastische Ergänzungen von Fehlstellen sowie durch Korrektur oder Entfernung früherer Zutaten aus Überarbeitungen, auch älteren R. oder Renovierungen. Einer R. geht immer die Konservierung, d. h. die rein materielle Sicherung des vorliegenden Bestandes, voraus. Während R. Ausnahmecharakter behalten sollte, bedarf Kunst- und Kulturgut kontinuierlicher Wartung und Pflege durch Konservierung. Diesbezüglich hat sich neuerdings die Präventivkonservierung, die das Objektumfeld mit einbezieht, fest etabliert. Von R. ist ebenso begrifflich zu trennen Renovierung als die erneuernde Instandsetzung und Rekonstruktion als die Wiedererrichtung verlorener Substanz aufgrund erhaltener Dokumente.
 
Die jeder Erhaltungs- und R.-Maßnahme vorausgehende Objektuntersuchung stellt die durch natürliche Alterung, biologische Zerstörung und ungünstige klimatische Einflüsse bewirkte Materialdegradation sowie die von Menschenhand verursachten Veränderungen und Beschädigungen fest. Die damit verbundene Bestimmung der Werkstoffe und Herstellungsweise des Kunstwerkes stützt sich heute auf ein breites Spektrum naturwissenschaftlicher Analyseverfahren. Auf dieser Grundlage entsteht das restauratorische Behandlungskonzept. Die Untersuchungsergebnisse, der Vorzustand, die vorgenommenen R.-Maßnahmen, die verwendeten Materialien und der Endzustand werden schriftlich und bildlich dokumentiert. Die technologische Untersuchung und R.-Dokumentation beinhaltet in der Regel kunsttechnische Aussagen und bietet der Kunstwissenschaft wertvolle Hinweise für die Biographie, Zuschreibung und Datierung eines Kunstwerkes.
 
R. werden meist in den R.-Werkstätten der Denkmalpflegeämter und Museen durch Restauratoren ausgeführt. Es haben sich verschiedene Spezialisierungsrichtungen entwickelt: R. in den Bereichen Gemälde, polychrome Skulptur, mobile und immobile Innenausstattung, Wandmalerei, Architekturpolychromie, Stein, Keramik, Glas, Textilien, Leder, Möbel, Holz, Metall, Musikinstrumente, technisches Kulturgut (z. B. Industriedenkmale), Papier, Schriftgut, Grafik, Fotografie und Datenträger. Die R.-Problematik z.B. bei ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten oder archäologischen Grabungsfunden führte zu weiteren Spezialisierungen. Neu ist der R.-Bereich moderner und zeitgenössischer Kunst, einschließlich der neuen Medien, sowie die Konservierung und R. von Tonträgern. In der R. sind grundsätzlich Techniken und Materialien unzulässig, die die materielle Substanz des Kunstwerkes beeinflussen beziehungsweise künftige Maßnahmen behindern. Die ständige Weiterentwicklung der R.-Methodik hat zu einer stärkeren Differenzierung der R.-Verfahren geführt (z. B. Oberflächenreinigung und Firnisabnahme). Deutlich wird dies besonders bei der Gemälde-R. War das Dublieren von Leinwandbildern früher Routinemaßnahme fast jeder R., wird sie heute nur aus konservierungstechnischen Gründen eingesetzt. Ebenso sind Übertragungen von Wandmalereien auf mobile starre Bildträger (Distacco-Verfahren: Übertragung der Malschicht mit dem Putzgrund; Strappo-Verfahren: Übertragung der Malschicht ohne Putzschicht) konservatorische Ausnahmeeingriffe.
 
Restauratoren werden an über 30 europäischen Hochschulen ausgebildet (davon im deutschsprachigen Raum: Kunsthochschulen in Dresden, Stuttgart, Wien, Universität München; Fachhochschulen in Bern, Köln, Hildesheim, Erfurt, Potsdam und Berlin). Des Weiteren sind in Deutschland Forschungsinstitute für R. an Museen (Doerner-Institut München, Rathgen-Forschungslabor Berlin) und an Denkmalpflegeämtern der Länder angebunden.
 
 
Erhaltung von Kunstwerken gibt es seit der Antike. R. im modernen Sinn wird erstmals 1681 von F. Baldinucci definiert. Für das 18. Jahrhundert sind wichtige Entwicklungen besonders der Gemälde- und Antiken-R. belegt. Restauratoren kamen bis weit in das 19. Jahrhundert vorrangig aus der Künstler- oder Handwerkerschaft. Seither entwickelte sich, anfangs im musealen Bereich, zunehmend die wissenschaftlich begründete R. Im 20. Jahrhundert respektiert die R. den durch natürliche Alterung und seine Geschichte gewachsenen Zustand des Kunstwerks. Bei der R. hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Restauratoren, Geistes- und Naturwissenschaftlern an Stellenwert gewonnen.
 
 
R. Wihr: Restaurieren von Keramik u. Glas (1977);
 R. Wihr: R. von Steindenkmälern (1980);
 H. Kühn: Erhaltung u. Pflege von Kunstwerken u. Antiquitäten, 2 Bde. (1-21981);
 O. Wächter: R. u. Erhaltung von Büchern, Archivalien u. Graphiken (Wien 31982);
 P. Mora u. a.: Conservation of wall paintings (a. d. Frz., London 1983);
 J. Taubert: Farbige Skulpturen (31983);
 T. Brachert: Patina. Vom Nutzen u. Nachteil der R. (1986);
 K. Nicolaus: DuMont's Hb. der Gemäldekunde (31986);
 
Das 19. Jh. u. die R., hg. v. H. Althöfer (1987);
 
Bauforschung u. Denkmalpflege. Umgang mit histor. Bausubstanz, hg. v. J. Cramer (1987);
 M. Flury-Lemberg: Textil-Konservierung im Dienste der Forschung (Bern 1988);
 K. Herold: Konservierung von archäolog. Bodenfunden. Metall, Keramik, Glas (Wien 1990);
 K. Herold: Konservierung von archäolog. Bodenfunden. Wandmalerei, Mosaik (Wien 1994);
 
Gesch. der R. in Europa, hg. v. Schweizer. Verband für Konservierung u. R. u. a., 2 Bde. (1991-93);
 K. Wehlte: Werkstoffe u. Techniken der Malerei (61992);
 M. Doerner: Malmaterial u. seine Verwendung im Bilde (181994);
 
Metall-R., hg. v. P. Heinrich (1994);
 Marjen Schmidt: Fotografien in Museen, Archiven u. Sammlungen (21995);
 
Restauratoren-Tb. (1995 ff.);
 
Reclams Hb. der künstler. Techniken, 3 Bde. (Neuausg. 1997);
 
Mauerwerk. Untersuchen u. Instandsetzen durch Injizieren, Vernadeln u. Vorspannen, Beitrr. v. F. Wenzel u. a. (1997).

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Res|tau|rie|rung, die; -, -en: 1. das Restaurieren; das Restauriertwerden. 2. (veraltet, noch bildungsspr. scherzh.) das Sichrestaurieren.

Universal-Lexikon. 2012.

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